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Radiologie

Direktor:
Prof. Dr. med. Michael Uder
Radiologie

Unabhängig von Therapie finden sich vergleichbare strukturelle Gelenkveränderungen 5 Jahre nach vorderer Kreuzbandruptur

Ergebnisse einer entsprechenden Studie mit Erlanger Beteiligung im führenden Fachjournal der Radiologie veröffentlicht.

Die Ruptur des vorderen Kreuzbandes (VKB) ist eine der häufigsten Verletzungen des Kniegelenkes. Die Therapie erfolgt entweder konservativ oder in den meisten Fällen operativ mit Rekonstruktion des Bandes. Eine chirurgische VKB-Rekonstruktion wird häufig durchgeführt, um die Stabilität eines instabilen Knies zu verbessern und das Risiko eines späteren Meniskus- oder Knorpelschadens sowie die Entwicklung einer Kniearthrose zu verringern. Die Datenlage bezüglich einer Überlegenheit der chirurgischen gegenüber der konservativen Therapie ist jedoch unklar.
Verlaufsbeurteilung eines Kniegelenkes, das mit chirurgischem VKB-Ersatz therapiert wurde. Das linke Bild zeigt ein unauffälliges Gelenk zum Zeitpunkt des Unfalls. Nach zwei Jahren (mittleres Bild) haben sich im äußeren Gelenksanteil sog. Osteophyten gebildet (Pfeile), die eine frühe Arthrose anzeigen. Außerdem zeigt sich zu diesem Zeitpunkt eine neu aufgetretener Knorpelschaden Oberschenkel-seitig (Pfeilspitze.) Nach 5 Jahren (rechtes Bild) zeigt sich eine Größenzunahme der Osteophyten am Gelenkspalt (Pfeile).

Eine der wenigen randomisierten klinischen Studien, die unterschiedliche Therapieverfahren im direkten Vergleich über einen längeren Zeitraum beobachten ist die sog. KANON Studie aus Schweden. Hier wurden 121 junge Patienten, die eine VKB Ruptur erlitten hatten entweder einem chirurgischem oder einem konservativem Therapieverfahren zugeordnet mit der Möglichkeit bei Unzufriedenheit auch eine verzögerte chirurgische Stabilisierung durchführen zu lassen.

Seit über 10 Jahren besteht eine enge wissenschaftliche Kollaboration des radiologischen Instituts mit Wissenschaftlern der Universität Lund in Schweden um Ass.Prof. Frobell, wo die Studie primär durchgeführt wurde. Herr Prof. Frank Roemer vom Radiologischen Institut des Universitätsklinikums ist einer der führenden Experten weltweit in der Analyse von MRT Bilddaten des Kniegelenkes und hat nun in enger Zusammenarbeit mit Kollegen aus Schweden und den USA eine Langzeituntersuchung bezüglich der Entwicklung degenerativer Gelenkveränderungen durchgeführt. Der Schwerpunkt dieser Untersuchung galt der Analyse struktureller Veränderungen, die sich im Verlauf entwickeln und das Entstehen einer Kniegelenksarthrose anzeigen. Hierzu zählen Veränderungen des Knorpels, Knochens, aber auch der Gelenkkapselstrukturen und Entzündungen. Nach 5 Jahren zeigten ca. 15% der Patienten neue Knorpelschäden und zwischen 30% und 40% wiesen sogenannte Osteophyten auf, d.h. knöcherne Anbauten am Gelenkrand, die auf eine frühe Arthrose hinweisen. Es zeigte sich, dass die meisten der Veränderungen sogar schon innerhalb der ersten 2 Jahre nach der Verletzung nachweisbar waren. Erstaunlicherweise zeigten sich keine Unterschiede zwischen den Behandlungsgruppen, was zuvor auch schon für die klinischen Ergebnisse gezeigt worden war. Aufgrund der potentiellen Relevanz der Ergebnisse und dem sehr klaren Studiendesign wurden die Ergebnisse der Studie jetzt in der führenden Fachzeitschrift Radiology veröffentlicht.

Roemer FW, Lohmander LS, Englund M, Guermazi A, Åkesson A, Frobell R. Development of MRI-defined Structural Tissue Damage after Anterior Cruciate Ligament Injury over 5 Years: The KANON Study. Radiology. 2021 Mar 9:202954. doi: 10.1148/radiol.2021202954.

Podcast: https://rsnaradiology.libsyn.com/issue-summary-may-2021?tdest_id=2468192